Mythos des Unsichtbaren Zeit genossen - 21 Jahre APHAIA VERLAG
Svea Haske und ihre Tochter Sonja Wendeler genießen es seit 21 Jahren, Verlegerinnen zu sein von Texten vor allem Gedichten zeitgenössischer Autorinnen und Autoren. Ihre Autorinnen und Autoren bringen sie zusammen mit Graphikerinnen und Grafikern sowie mit Komponistinnen und Komponisten, um Bücher zu machen, in denen nicht bloß gelesen werden kann, sondern in denen auch Bilder vor allem Grafiken anzuschauen sind und Kompositionen in den Köpfen der Lesenden sich in Töne, in Musik verwandeln. Das ist das Besondere, das den APHAIA VERLAG kennzeichnet.
In das breite und offene Programm des Verlags geben die beiden Verlegerinnen Einblick mit ihrer bibliophil gestalteten Anthologie Mythos des Unsichtbaren, in der sie ausgewählte Arbeiten von 136 Autorinnen und Autoren, bildenden Künstlerinnen und Künstlern und Komponistinnen und Komponisten versammeln. Während die Herausgeberinnen die Texte der Autorinnen und Autoren weitgehend in alphabetischer Reihenfolge der Autorennamen abgedruckt haben, haben sie die bildkünstlerischen Beiträge und auch die Kompositionen assoziativ zwischen den Texten eingefügt.
So korrespondieren in der Anthologie Texte und Bilder, die jeweils ganz eigenständig geschaffen worden sind, als ob sie bereits in wechselseitigem Bezug entstanden seien, wenn beispielsweise eine Tusche-Arbeit von Anna Holldorf zwischen Gedichten von Anne Gollin und Ingrid Gorr platziert ist, oder wenn eine Siebdruck-Arbeit von Gisbert Pupp ins Surreale zu gleiten scheint neben einem surreal anmutenden Prosagedicht von Hans-Jürgen Heise. Oder wenn eine Komposition von Johann Gottlieb von Wrochem den Rhythmus beim Lesen von Marianne Schmidts Prosatext beeinflusst.
Der Mythos des Unsichtbaren erzählt von der produktiven Kraft des Zusammenwirkens verschiedener Künste. Auch diese Anthologie mit Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler aus drei Kunstsparten vereint auf dem Buch- und Kunstmarkt etablierte und noch nicht etablierte Künstlerinnen und Künstler. In der Nachbarschaft mit solch hervorragenden Autoren wie Jürgen Beckelmann, Wiacheslaw Kuprijanow, Joochen Laabs, Richard Pietraß, Michael Speier oder Stevan Tontic, im Nebeneinander mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern wie Aldona Gustas (die zugleich eine profunde Lyrikerin ist), Wolfgang Nieblich, Werner Stötzer oder Arno Waldschmidt wird die Neugier auf die Arbeiten jüngerer, unbekannterer Künstlerinnen und Künstler geweckt.
In der Anthologie Mythos des Unsichtbaren spiegelt sich die Vielseitigkeit des APHAIA VERLAGs. Während in der Reihe Mitlesebuch in schmalen Heften jeweils ein Autor, eine Autorin mit Gedichten oder kurzen Prosatexten und ein Grafiker, eine Grafikerin mit zwei Arbeiten vorgestellt werden, erscheinen in der Reihe Literatur, Musik und Bildende Kunst von Zeitgenossen Buchobjekte, die aus einer Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern aus den Sparten Literatur, bildende Kunst und Musik entstanden sind. Daneben erscheinen im APHAIA VERLAG auch immer wieder Künstlerbücher in kleinen Auflagen mit Original-Grafiken. Freilich sind diese Künstlerbücher nicht allein bibliophile Kostbarkeiten. Bereits die Reihe Mitlesebuch ist für viele Buchliebhaber ein Objekt des Sammelns geworden, für das Wolfgang Nieblich einen Sammelschuber gestaltet hat.
Wohl von Dieter Straub angeregt, der lange in Griechenland gelebt hat, haben Svea Haske und Sonja Wendeler ihrem Verlag den Namen Aphaia gegeben, also den Namen der kretischen Göttin Britomaris, die auf der Insel Aigina als Aphaia verehrt worden ist. Weshalb? Die beiden Verlegerinnen werden nicht müde zu erzählen, dass der Parthenon-Tempel in Athen, der Poseidon-Tempel auf Kap Sunion und der Aphaia-Tempel auf Aigina ein gleichschenkliches Dreieck bilden. Und obgleich jede Gottheit dieser Tempel eine andere Wirkungskraft hatte, gehörten sie durch das Maß zusammen. Literatur als Kunst, bildende Kunst und Musik bilden im Aphaia Verlag zwar kein gleichschenkliches Dreieck, weil die Literatur dominiert, aber immerhin ein Dreieck mit einer wunderbaren Wirkungskraft: zunächst auf die beteiligten Künstlerinnen und Künstler aus den drei Kunstsparten, zuletzt auf die Menschen, die die Bücher lesen und anschauen und die CD’s und Toncassetten abhören. Es ist dieses unsichtbare Dreieck Literatur, bildende Kunst, Musik , das in den Publikationen des Aphaia Verlags sichtbar geworden ist und mit der vorliegenden Anthologie sichtbar ist. Soviel zum Geheimnis des Mythos des Unsichtbaren!
Dietger Pforte
Grußwort der Schirmherrin
Adlershof Durchgangsstation auf dem Weg nach Schönefeld, Haltestelle auf dem Weg ins südöstliche Berliner Umland, Wissenschaftsstandort und sonst?
Fährt man mit der Straßenbahn die Dörpfeldstraße Richtung Köpenick, begegnet einem auf der linken Seite der Straße das Kulturzentrum Adlershof Alte Schule. Fährt man nicht einfach vorbei, sondern gönnt sich stattdessen einen zweiten, genaueren Blick, so wird man dort neben Ausstellungen der Galerie Alte Schule und der Stefan-Heym-Bibliothek auch die Montagslesungen und die Adlershofer Buchpremieren des APHAIA VERLAGs entdecken. Bei dieser Veranstaltungsreihe nach Konzept des Verlags treffen Autoren (meist Lyriker), Musiker und Bildende Künstler aufeinander, um ihre gemeinsamen Arbeiten zu präsentieren. Unterstützung findet der Verlag dafür beim Kulturamt und dem Kunstverleih Treptow-Köpenick.
Der APHAIA VERLAG ist in Adlershof präsent, wie die Produkte, die er hervorbringt, diese wunderbaren Sonder-, Vorzugs- und Normalausgaben. Das ist das Verdienst der Verlegerinnen Svea Haske und Sonja Wendeler, die seit nunmehr 21 Jahren gemeinsam an einem Strang, dem Strang der Verbindung von Literatur, Musik und Bildenden Kunst, ziehen. Zu unser aller Vorteil.
Wir können uns doch schätzen, dass der APHAIA VERLAG seinen Sitz 1999 von Zehlendorf nach Adlershof verlegt hat und seitdem prägend und engagiert das kulturelle Leben dieses Stadtteils bereichert.
Insbesondere die Programmchefin Svea Haske ist in den letzten acht Jahren immer wieder mit ihrem leidenschaftlichen Engagement für ihre Sache, und damit auch die Sache jedes kulturinteressierten Adlershofers, in Erscheinung getreten. Sie engagiert sich im Bürgerverein, sie nimmt teil an sehr vielen kulturellen Events in Adlershof.
Feiern wir also heute diese Arbeit, diese Verdienste einer Wahl- und Herzens-Adlershoferin, die seit 21 Jahren mit ihrer Tochter, mit dem APHAIA VERLAG Brücken baut. Brücken zwischen Literatur, Bildender Kunst und Musik, aber viel wichtiger, Brücken zwischen Künstlern und Publikum. Brücken, die seit 1999 Adlershof mit dem Rest der Welt verbinden, auf poetische und handfest pragmatische, auf originäre, ja, einzigartig liebenswerte Weise.
Svea Haske, Sonja Wendeler, auch dafür mein Dank.
Gabriele Schöttler, Bürgermeisterin von Berlin Treptow-Köpenick
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